Meine Reise nach China im Mai 2015

Ein lang gehegter Wunsch ging endlich in Erfüllung!

Zwei Wochen Hospitation und Fortbildung im berühmten TCM-Krankenhaus "First Teaching Hospital, Tianjin University of Traditional Chinese Medicine, P.R.China"

 

 

Ankunft in Beijing, budddhistischer Tempel der großen Barmherzigkeit

Ankunft

 

 

Die Entwicklung, die China in den letzten 20 Jahren erfahren hat, ist viel besprochen und doch kaum zu fassen. Die unglaubliche Masse an Autos, Mofas, Menschen, Geräuschen und Gerüchen machte mich erst mal sprachlos. Von der Größe und Ausdehnung meiner bei diesem Besuch bereisten Städte, Peking und Tianjin, gar nicht zu reden. Im Großraum Peking leben aktuell 21,5 Mio. Menschen. In Tianjin sind es immerhin noch etwa 13 Mio., dabei hat Tianjin noch nicht einmal einen ernstzunehmenden internationalen Flughafen.

Es galt also zunächst einmal ankommen, staunen und durchschnaufen.

Die Wochenenden verbrachten wir in Peking mit dem klassischen Sightseeing-Programm: große Mauer, Kaiserpalast, Himmelstempel und Sommerpalast. Alles sehr interessant und eindrücklich, allerdings durch die Massen an Besuchern und die hohen Temperaturen auch extrem anstrengend. Ich hatte immer wieder den Eindruck, dass alle 1,365 Mrd. Chinesen sich zeitgleich mit mir im Kaiserpalast befanden.

Für mich war der Besuch des Lamatempels in Peking, der sich zudem noch in fußläufiger Entfernung unseres bezaubernden Hotels befand, ein wunderbares Erlebnis, in dem ich tiefe Spiritualität erfahren durfte. Außer dem goldenen lächelnden Lama befindet sich eine 19 Meter hohe,  aus einem einzigen Baum geschnitzte Buddhaskulptur in einem Tempelgebäude. Am frühen Sonntagmorgen singen und beten die Mönche des angeschlossenen Klosters, ein intensives Erlebnis totaler Gelassenheit inmitten der hektischen Riesenmetropole Peking.

Unser Hotel befand sich in einem der wenigen erhaltenen und nicht touristisch totsanierten Hutongs, den alten Wohnvierteln Pekings. Für einen Drachenfan wie mich der absolute Overkill: Ich hatte nicht nur ein Drachenbett mit rot-goldenem Drachenhaupt, die Decken waren mit rot-goldenen Drachenschnitzereien versehen, Drachenskulpturen, Drachenbilder und sogar Drachen-Türangeln, alles alt und wunderschön.

 

Krankenhaus Tianjin

Tja, wie kann man ein Krankenhaus beschreiben, das pro Tag 10 000 (!) ambulante Patienten versorgt und außerdem 3500 stationäre Patienten beherbergt? 

Schon das Betreten der Eingangshalle ist ein eigenes Erlebnis. Die erste Hürde sind die Plastikstreifen, die als Tür dienen und die jedem, wirklich jedem ins Gesicht fallen und mit Kraft weggedrückt werden müssen. Für deutsche Mediziner eine Hygiene-Katastrophe! Dann kommt man in die große Halle, in der sich etwa 50 Kassenhäuschen, ähnlich unseren Bankschaltern hinter Glas befinden. Dort wird für die Behandlung zunächst bezahlt und dann kann man mit dem Beleg zu dem Arzt seiner Wahl gehen, um sich akupunktieren, moxen oder massieren zu lassen, oder sich eine Kräuterrezeptur verschreiben zu lassen. Der Lärm und die Menschenmenge ist mit einem Flughafen zur schlimmsten Ferienreisezeit auf jeden Fall zu vergleichen. Chinesen schaffen es auch, sich grundsätzlich vorne in die Schlange zu stellen, sodass wir Langnasen eigentlich immer recht lang hinten standen, egal wo.... Das Gedrängel kann man sich ausmalen.

 

Wir hatten das Vergnügen, sehr renommierten TCM-Professoren über die Schulter schauen zu dürfen. Was einfacher klingt, als es war, denn in einem Behandlungsraum befinden sich 10 Liegen, 7 Hocker, ein mehr oder weniger ramponierter Schreibtisch, ein Behandlungswägelchen, zeitgleich 15 bis 17 Patienten plus Angehörige, der Professor, 2 Assistenzärzte, 4-5 Studenten, 2 Krankenschwestern - von uns 6 deutschen Ärzten auf Besuch samt Dolmetscher gar nicht zu reden. Es ist genauso voll, wie es klingt und leider sind die Klimaanlagen dem Ansturm auch nicht gewachsen. Wir waren alle zunächst sprachlos und innerhalb von 5 Minuten komplett durchgeschwitzt. Pro Arzt, in diesem Fall Professor, werden 30 - 35 Patienten pro Stunde behandelt. Gespräche finden kaum statt, Untersuchungen ebenfalls nicht, allerdings hatte ich nie das Gefühl, dass sich Arzt und Patient nicht kennen, immerhin kommen diese Patienten über Wochen bis Monate täglich. Trotzdem habe ich mit Sehnsucht an meine eigene ruhige gemütliche Praxis gedacht, in der ich pro Stunde 2 bis maximal 4 Patienten behandle.

Letztlich muss sich überall aber jeder Arzt an der Effektivität seiner Behandlung messen lassen und die ist hervorragend! In der Schlaganfall-Ambulanz ist das Outcome der Patienten mindestens so gut wie bei uns. Die Kinderwunschabteilung hat sehr gute Zahlen, nur mit Akupunktur und Kräutern behandelte Paare werden zu etwa 50% schwanger. Da relativiert sich manches und nur weil wir unsere Individualität so hoch schätzen, heißt das nicht, dass das Leben und Behandeln im "Schwarm" nicht funktioniert.

 

Außerordentlich ausgereift und gut strukturiert sind die Apotheken nach traditioneller Lehre. Der behandelnde Arzt diagnostiziert eine Störung oder Erkrankung mittels Anamnese und Puls- sowie Zungendiagnose und erstellt aufgrund seiner Erkenntnisse eine Rezeptur. Diese Rezepturen sind zumeist sehr komplex aufgebaut, meist um ein sogenanntes "Kaiserkraut", das die Erkrankung am besten beheben kann. Dazu kommen "Ministerkräuter", die die Wirkung unterstützen und weitere Symptome behandeln sollen. Um deren Nebenwirkungen im Griff zu behalten, die Mischung gut verträglich zu machen und das Ganze abzurunden, werden weitere Kräuter dazu gegeben, bis der Arzt mit der Mischung zufrieden ist. Der Patient geht dann mit dem Rezept zur Krankenhaus eigenen TCM-Apotheke und lässt sich dort die Kräuter anmischen. Gut sortierte Apotheken können dabei auf bis zu 1000 verschiedenen Einzelsubstanzen zurückgreifen.

Manchmal sind auch für unsere Begriffe sehr skurile Elemente enthalten, wie Organe oder Körperteile verschiedener Tiere. Bis heute ist in verschiedenen Gegenden Chinas der Glaube an die Heilkräfte von seltenen Tierarten weit verbreitet und Medizin und Aberglaube gehen nahtlos ineinander über. In den großen renommierten Kliniken vor allem in den Städten hat sich in den letzten Jahrzehnten das Bild deutlich gewandelt und man geht wesentlich wissenschaftlicher mit den einzelnen Inhaltsstoffen um.

Die Apotheker mischen in Windeseile die verschiedenen Kräuter zusammen und der Patient bekommt Tüten mit der genauen Kochanleitung mit nach Hause. Für die stationären Patienten werden die Kräuter-Dekokte direkt in der Klinik-Küche zubereitet. In den Apotheken duftet es wunderbar nach Kräutern, ein sehr intensiver angenehmer Duft. Die fertigen Dekokte sind allerdings in der Regel sehr bitter und nicht gerade ein Geschmackserlebnis...Hauptsache, es hilft!

 

Was uns sehr gefallen hat und ein ungläubiges Schmunzeln hervorgerufen hat, ist die Art, wie Patienten ihre Wertschätzung der Ärzte zum Ausdruck bringen. In jedem Behandlungsraum hängen große Banner, meist aus rotem oder auch blauem Samt, die mit goldenen Schriftzeichen üppig bestickt und mit goldenen Troddeln versehen sind.

Ich fand zunächst die Dekoration etwas fehl am Platz, da in manchen Räumen, je nach Renommee des Arzte auch mal vier oder fünf dieser Banner übereinander hängen oder auf mehrere Wände verteilt sind. Da wußte ich noch nicht, dass die Banner das sichtbare Zeichen sind, dass der jeweilige Arzt eine Auszeichnung von seinen Patienten erhalten hat. In regelmäßigen Absdtänden bestimmen Patienten, welcher der beste und beliebteste Arzt des Krankenhauses ist. Der Gewinner bekommt ein Banner, auf dem seine Verdienste eingestickt werden. Damit  alle Anwesenden von seiner Auszeichnung erfahren, wird eine Prozession durch die Abteilung oder das ganze Haus mit Musik und Würdenträgern veranstaltet. Danach darf der Ausgezeichnete sein Banner in seinem Behandllungsraum aufhängen. Immer wieder haben wir beobachtet, wie (potentielle?) Patienten sich die Banner angesehen und gezählt haben. Eine ganz andere Art der Werbung!

Wäre das nicht auch eine schöne Idee für uns? Ich stelle mir gerade vor, wie eine deutsche Blaskapelle den Chefarzt würdigt....

Überhaupt haben wir häufiger, aus anderen Branchen, mehrere Mitarbeiter einer Firma (zu erkennen an uniformierter Kleidung, oder mit einheitlichen Kappen, Schirmen oder Fähnchen) gesehen, die eine Belobigung in Form eines Ausfluges oder Restaurantsbesuches erhalten haben.

 

 

Tempel der großen Barmherzigkeit Tianjin

 

Nach meinem schönen Erlebnis im Lamatempel in Peking habe ich versucht, in jeden Tempel zu gehen, der erreichbar war. Dabei habe ich gelernt, dass es doch große Unterschiede gibt zwischen dem Buddhistischen und dem Daoistischen Glauben, die sich schon allein durch die Tempelgestaltung bemerkbar machen.

Die Buddhistischen Tempel habe ich wahrgenommen als Oasen der Ruhe, der Gelassenheit und der Akzeptanz. Dort habe ich mich sehr wohl gefühlt. Wahrscheinlich sind wir, meine Berliner Kollegin und ich, auch deshalb, quasi zufällig in eine der größten Buddhistischen Schulen geraten, wo wir mit viel Neugier und großer Wertschätzung empfangen wurden. Man hat uns zum Gespräch eingeladen und wir durften mit einer scheinbar sehr bekannten Lehrerin sprechen. Leider war unsere Zeit begrenzt, da wir ja mit einer solchen Einladung nicht gerechnet hatten. Sehr schade!! Ich hätte gern mehr erfahren und mehr Zeit in dieser Schule verbracht.

Die chinesischen Schüler, meist junge Erwachsene sitzen, wie bei uns in den Schulen des vorletzten Jahrhunderts eng aufgereiht an Pulten. Dort werden über Stunden Texte analysiert, meditiert und gebetet. Ich habe die Atmosphäre als ruhig und unfassbar energetisch dicht empfunden.

Die beiden daoistischen Tempel, die ich gesehen habe, sind in der Ausstrahlung ganz anders. Dort gibt es viele kleine Nebengebäude, die die Leiden und die menschlichen Abgründe in Form von Skulpturen darstellen. Ein ziemlich schauerliches Aufgebot an menschlicher Schwäche. Ich fühlte mich dort eher unwohl.

 

Der Buddhistische Tempel der großen Barmherzigkeit in Tianjin liegt mitten in der Innenstadt, soweit man von Innenstadt überhaupt sprechen kann. Tianjin ist groß und wächst unentwegt weiter, Baukräne und Hochhäuser überall.

Das Tempelgelände ist recht neu, zumindest für chinesische Verhältnisse, um 1940 erbaut. Es wurde gerade saniert und das angeschlossene Kloster erweitert. Das Betreten jeden Tempels kostet Geld, auch die Chinesen müssen bezahlen, dafür bekommt man in der Regel Räucherstäbchen, die man Buddha zu Ehren oder auch für die Erfüllung eigener Wünsche im Tempel anzünden kann. Manchmal bekommt man auch eine künstliche Blume, die man als Opfergabe im Tempelgebäude seiner Wahl abgeben soll.

Ich habe jedes Mal die Erfahrung gemacht, dass ich mit meinem normalen Tempo ausgebremst wurde, so auch hier. Automatisch wurde ich langsam, man kann dort nicht rennen oder hetzen. Das hat mich sehr beeindruckt, ich weiß nicht, ob es die Ruhe ist, die auf einen abfärbt, oder das Verhalten der Gläubigen. Ich glaube, dass ich die dort spürbare Spiritualität so stark empfunden habe. Ich habe mich auch wirklich gern darauf eingelassen.

Meine liebe Berliner Kollegin und ich saßen also am späten Nachmittag im Schatten auf der Balustrade in einem der vielen kleinen Nebengärtchen, in dem einem wichtigen buddhistischen Würdenträger ein kleiner Gebets- und Gedenktempel errichtet worden war. Diese kleinen Nebengelasse zweigen seitlich ab von der geraden Aneinanderreihung der Tempelgebäude und sind ruhig, meist weniger besucht als die großen prunkvollen Gebäude der Hauptachsen. Häufig sieht man dort junge Leute, die lesen, mit dem unvermeidlichen Handy spielen oder meditieren. Dort saßen wir im Schatten und genossen die Stille. Die chinesische Dame, die das kleine Gebäude beaufsichtigte, kam nach einer Weile auf uns zu und begrüßte uns auf das Netteste, leider auf chinesisch. Immerhin spricht meine Kollegin etwas mehr chinesisch als ich und konnte erklären, dass wir aus Deutschland stammen. Das begeisterte die nette Frau sehr. Überhaupt wurden wir immer freundlich, machmal geradezu enthusiastisch begrüßt. Leider konnten wir beide ihren weiteren Wortschwall nicht verstehen, ein junger Student mischte sich ein und übersetzte das Gesagte ins Englische und so konnten wir mit seiner Hilfe ein wirklich nettes Gespräch führen. Kurze Zeit später kam die Dame zurück und brachte uns aus dem Tempelhäuschen jedem einen Apfel. Was nun tun? Wir hatten keine Ahnung, wie man sich mit einem Geschenk, das ein anderer Besucher als Opfergabe mitgebracht hatte, verhält. Essen? Mitnehmen? Weglegen? Am nächsten Tempelhäuschen wieder abgeben?

Wir waren ratlos, wollten wir doch nicht als unwissende ignorante "Fremde Teufel" gelten. Glücklicherweise konnte der junge Man helfen, er erklärte uns das Prinzip von Geben und Nehmen im Buddhismus, da wir ein Geschenk empfangen hatten, sollten wir ebenfalls eines machen. Wir spendeten also ein paar Yuan in die überall aufgestellten Opferboxen. Dann fiel mir ein, dass auch ich einen Apfel dabei hatte, den wollte ich unbedingt in einem anderen Häuschen als Opfergabe zurücklassen, das schien mir die passende Geste.

Der Mann des Tempelhäuschens nahm dann auch unter Dankesworten meinen Apfel entgegen und überreichte mir im Gegenzug einen großen Blumenstrauß aus roten Gerbera. Da war es wieder, mein Problem!!! Mitnehmen? Ich glaubte ihn so verstanden zu haben, dasss ich die Blumen mitnehmen solle. Aber in meinem Hotelzimmer hatte ich keine Vase. Meine Kollegin lachte schon, als sie mich sah, jetzt hatte ich schon Apfel und Blumen, was also tun? Während ich noch an der perfekten Lösung überlegte, sah ich ein junges Pärchen, die Frau hochschwanger. Ich habe ihr die Blumen geschenkt und durfte erleben, wie ungläubig und begeistert die beiden waren. Natürlich mußte ich noch fürs Familienalbum fotografiert werden. Ich habe selten Menschen gesehen, die sich über einen (weitergeschenkten) Blumenstrauß so gefreut haben.

An diesem Nachmittag habe ich das Buddhistische Prinzip des Gebens und Nehmens auf ganz eigene Art erfahren und es hat mich sehr beeindruckt.

Dr. med. Martina Herzog

Ärztin

Traditionelle Chinesische Medizin

Orthomolekularmedizin

Ästhetische Medizin

Energiemedizin

Akupunktur

 

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